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Gemeinwohl statt Gewinnmaximierung – Lutz Knakrügge im Interview

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Lutz Knakrügge ist gleich mit 2 Projekten beim Zukunftspreis Lörrach+ nominiert, bei denen jeweils das Gemeinwohl im Fokus steht. Warum dieses Thema für die Region Lörrach und darüber hinaus von Bedeutung ist, erklärt er uns im Kurzinterview:

 

  1. Deine beiden Projekte befassen sich mit dem Gemeinwohl. Was genau hat es mit diesem Begriff auf sich?

Gemeinwohl bezeichnet das Wohl eines Gemeinwesens – in unserem Fall ausgerichtet auf Lörrach. Man darf das aber gerne auch landesweit, sogar weltweit denken. Gemeinwohl wird als Gegenbegriff zu bloßen Einzel- oder Gruppeninteressen innerhalb einer Gemeinschaft verstanden. Genau genommen geht es bei den Projekten um die Gemeinwohl – Ökonomie, also eine Ökonomie, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und nicht der Gewinnmaximierung. Das Gemeinwohl hat oft Verfassungsrang – so steht z.B. in der bayerischen Verfassung explizit „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ (§151).

 

  1. Was ist denn das Wesentliche bei der Fokussierung auf das Lokale?

Die Gemeinden sind die bürgernächste Ebene. Auf dieser Ebene könne Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Zusammenarbeiten zumindest teilweise definiert werden. Die Gemeinden sind selbst wirtschaftliche Akteur*innen und gestalten teilweise auch die Spielregeln. In den Gemeinden und Regionen fließen die Bedürfnisse und das Potential von Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Schulen, Familien und Einzelpersonen zusammen. Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie kann hier die Kraft des Lokalen entfachen.

 

  1. Warum ist es notwendig das Gemeinwohl zu messen?

Ein politisches Gemeinwesen kann effektiv funktionieren, wenn es Klarheit über seine Ziele hat. Das Bruttoninlandsprodukt (BIP) hat aufgrund der Nichterfassung des Wesentlichen, was ein gutes Leben für alle ausmacht, ausgedient. In einem partizipativen Prozess können die Gemeinde-Bürger*innen die wichtigen Bestandteile von „einem guten Leben für alle“ definieren und in einen messbaren Index bringen. Der daraus entstehende „Kommunale Gemeinwohl-Index“ kann als „Vision“ der Gemeinde betrachtet werden. Dieser wäre dann die Grundlage im „Kommunalen Wirtschaftskonvent“ für die weiteren zu erarbeitenden strategischen Eckbausteine einer ethischen Wirtschaftsordnung, welche das Wachstum des Gemeinwohl-Index zum Ziel haben.

 

  1. Was muss sich in Lörrach ändern, damit die Stadt zur Gemeinwohl-Gemeinde wird?

Wirklich ändern muss sich eigentlich nichts, jedoch muss sich das Bewusstsein entwickeln, das wirtschaftliche Zusammenleben unter einem neuen Dach zu denken. Die Gemeinwohl-Bilanz der Gemeinde misst nicht nur die „ethische Performance“ der eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten, sondern auch, wie sinnvoll sie die Rahmenbedingungen dazu setzen und die Gesellschaft mit einbeziehen. Mit der Gemeinwohl-Bilanz für Unternehmen kann gemessen werden, welchen Beitrag ein Unternehmen durch seine wirtschaftliche Tätigkeit für das Gemeinwohl leistet. Unternehmen und andere wirtschaftliche Akteur*innen, die bereits viel zum Gemeinwohl beitragen, können belohnt werden. Die Gemeinwohl-Gemeinde lädt alle in ihrem Gebiet ansässigen privaten Unternehmen, Schulen, Einzelpersonen und Familien ein, die Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen, und fördert sie nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten. Schließlich soll ein kommunaler Wirtschaftskonvent ermöglicht und gefördert werden. In diesem ermitteln interessierte Bürger*innen die wichtigsten Spielregeln, die das Wirtschafts-Geschehen auf kommunaler Ebene rechtlich steuern sollen.

 

  1. Wie können Interessierte an deinen Projekten mitwirken?

Am einfachsten ist es, mir per Email das Interesse zu bekunden – ich werde dann den jeweiligen Stand der Projekte mitteilen und vielleicht auch die Person zum Mitmachen begeistern. Die Möglichkeit, am 19. Juli und am 12. September zu den letzten beiden Denkwerkstätten im Werkraum sich einzubringen, besteht natürlich auch. Der Kontakt ist bei meinen Projekten bei den nominierten Projekten für den Zukunftspreis zu finden.

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